Nächster Schritt in der Fliegerei ist die national gültige Privatpilotenlizenz, kurz PPL-N, für kolbengetriebenen Landflugzeuge bis 750 kg Abflugmasse. In diese Kategoriere fallen z.B. die moderne Aquila A210/DA20 Katana oder die Klassiker Piper PA-18/Cessna 150. Allesamt 2-Sitzer, bieten sie all das, was dem klassischen Ultraleichtflugzeug fehlt: höhere Zuladung, bessere Ausstattung, höhere Reichweite und natürlich mehr Platz!
Piloten mit gültiger Lizenz für aerodynamisch gesteuerte Ultraleichtflugzeuge kommen in den Genuss diverser Erleichertungen. Die praktische Ausbildung besteht nur noch aus 7 statt 35 Flugstunden und muss mindestens 10 Landungen mit Lehrer, 10 Landungen solo, An-/Abflüge zu und von kontrollierten Flugplätzen wie z.B. Berlin-Schönefeld und Flüge durch Kontrollzonen enthalten.
Später lässt sich die PPL-N mit einigen Flugstunden und kurzer Prüfung um eine “Klassenberechtigung 2t” für 4-Sitzer und eine CVFR-Berechtigung für kontrollierten Sichtflug in den von Airlinern genutzen Lufträumen vom Typ Charlie erweitern.
Mit diesen Zusatzberechtigungen ließe sich die PPL-N schließlich in eine international gültige PPL-A umschreiben, was – von internationalen Gültigkeit mal abgesehen, nur Nachteile mit sich bringt, denn die Motorfliegerei ist mit Preisen ab 140 €/h aufwärts auf Dauer unbezahlbar und im Gegensatz zur international gültigen PPL-A können die für den Scheinerhalt erforderlichen 12 Flugstunden in den letzten 24 Monaten auf auch Ultraleichtflugzeugen durchgeführt/absolviert werden!
Letzten Samstag habe ich schließlich den Ausbildungsvertrag unterschrieben und zusammen mit Flugschulchef “Thomas” den restlichen Papierkram erledigt. Anmeldung als Flugschüler, Erklärung über schwebende Strafverfahren, Auszug aus dem Verkehszentralregister, ZÜP… Das “Übliche”, aber eine ZÜP? – Im Gegensatz zu den Ultraleicht-Piloten benötigt jeder Privatpilot in Deutschland eine positive Zuverlässigkeitsüberprüfung gemäß Luftsicherheitsgesetz. Für 43 € ist die Luftfahrbehörde so nett und überprüft den Piloten bei den Nachrichtendiensten, den Polizeibehörden und sogar bei der Stasi-Behörde auf “terroristische” Vergangenheit!
In meiner Flugschule steht neben einer modernen Aquila A210 auch eine 60 Jahre alte Piper PA-18 “Super Cub” für die Ausbildung zur Verfügung. Die “Cub” ist ein Spornrad-Klassiker mit minimaler Ausstattung und gilt bei Start- und Landung als äußerst anspruchsvoll. Im Gegensatz hierzu glänzt die “leicht” zu fliegende “Aquila”, die von drei Luft- und Raumfahrttechnikern der TU Berlin entwickelt wurde, mit hoher Reisegeschwindigkeit, gehobener Ausstattung und Airliner-Feeling.
Letzten Sonntag ging’s los! Die erste Stunde auf der “Cub” sollte ein unvergessliches Erlebnis werden. Nach kurzer Boden- und Cockpiteinweisung rollten wir in Richtung Piste 07 und bereits jetzt musste ich feststellen, wie anspruchsvoll die “Cub” ist. Anstatt wie üblich grade auf der gelben Linie zu rollen, ging’s in Schlangenlinien zum Rollhalt.
Kaum hebt sich der “Sporn” bekomme ich – wie von Fluglehrer Harry prophezeit – die volle Wucht des Seitenwindes zu spüren. Wo jedes Bugradflugzeug noch seelenruhig über die Piste düst, kämpfe ich mit dem Seitenruder um den Flieger auf der Bahn zu halten. Kaum sind wir in der Luft, fliegt sich die “Cub” kinderleicht!
Viele Steilkurven und Stallübungen später drehen wir in den Gegenanflug zur 07. Ohne Landeklappen reduzieren sich die Landevorbereitungen auf ein Minimum, dafür hab ich jedoch gelernt was es heißt eine “Cub” zu landen. Irgendwie haben wir es dann doch heil auf den Boden geschafft, obwohl auch Fluglehrer Harry ganz schön gegen den Wind kämpfen musste…
Bei strahlend blauen Himmel, besten Sichten und böigen Wind aus Nordost ging’s gestern mit der “Aquila” weiter und es war eigentlich “Liebe” aus den ersten Blick!
Im Gegensatz zum Ultraleichtflugzeug oder zur “Cub” kommt im geräumigen und top ausgestatteten Cockpit Airliner-Feeling auf! Panoramadach, GPS, elektrische Klappen, elektrische Trimmung, Verstellpropeller, Stauraum ohne Ende..! Mit 120 kt (220 km/h) Reisegeschwindigkeit (Ultraleichtflugzeug: 75 kt / 140 km/h) und den Badesachen im Gepäckraum lässt sich der ein odere andere schöne Ausflug machen!
Nach dem Start ging es im Steigflug Richtung Süden, um die über uns liegenden Lufträume der Berliner Flughäfen hinter uns zu lassen und in Höhen über 7500 Fuß (2300 Meter) steigen zu können. Unzählige Kurven und Stallübungen später sind wir “inbound Klasdorf VOR” auf 2500 Fuß gesunken und über das Brandenburger Land “gedüst”:
Noch eine kurve Runde um die Cargolifter-Halle, auch bekannt als “Tropical Island”, und dann geht’s in Richtung Kontrollzone vorbei an den schönsten Badeseen Brandenburgs wie Ur-Brandenburger Harry betont.
Kurz vor Erreichen von “Sierra” habe ich uns bei Schönefeld Tower für einen Durchflug durch die Berliner Kontrollzone angemeldet. Wenige Minuten später kam der Flughafen Schönefeld in Sicht und die Fluglotsin “clear’te” uns folgendermaßen für den Überflug des Flughafens:
“D-ETWL, crossing approved, east of threshold runway 07, traffic..”
Ich bestätigte daraufhin sinngemäß ein “midfield crossing”, da “midfield” schließlich östlich der westlich gelegenen Schwelle (Threshold) der Piste 07 liegt. Sekunden vor dem Überflug funkte uns die Lotsin etwas unfreundlich an:
“D-ETWL, your were cleared for crossing west of threshold 07, now cleared for midfield crossing”
Entweder die Lotsin hat eine Ost-West-Schwäche, weil sie quasi “falschrum” im Tower sitzt oder Harry und ich.. Ausgeschlossen!
Über die Pflichtmeldepunkte Bravo und Whiskey 1/2 ging’s am Flughafen Tempelhof vorbei in Richtung Wannsee, wo wir die Kontrollzone in Richtung Schönhagen verlassen haben.
Zum Abschluss haben wir noch eine Platzrunde gedreht und sind schließlich bei böigem Wind mit 13 Knoten von links – für diese Verhältnisse – weich gelandet!
Obwohl die “Cub” fliegerisch die größere Herausforderung darstellt, werde ich meine Ausbildung auf der “Aquila” fortsetzen.. Für einen fliegerisch und technisch (!) interessierten Menschen wie mich genau das Richtige!
Jetzt heißt es lernen für die Theorieprüfung in einigen Wochen und selbstverständlich werde ich euch regelmäßig mit Infos und Fotos zu meiner PPL-Ausbildung versorgen!




